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Geschichte des J. V.-Jirsik-Gymnasiums

Es war im Jahre 1851, als der Bischof Jan Valerian Jirsik, ein vielseitig gebildeter Theologe und begeisterter Patriot nach Budweis kam. Im Lande herrschten damals keine guten Bedingungen für die Entwicklung des nationalen Kulturlebens. In der Region fehlten am meisten die tschechischen Schulen auf mittlerer Ebene, vor allem die Gymnasien. J.V. Jirsik beschloss, ein privates bischöfliches Gymnasium zu gründen. Der Grundstein zum ursprünglichen Gymnasialgebäude wurde am 22.4. 1868 gelegt und schon am 3. Oktober desselben Jahres wurde mit dem Unterricht begonnen. Die Eröffnung dieser Schule fand ein positives Echo. Die Betriebskosten waren aber für den bischöflichen Etat zu hoch, und so bemühte sich Jirsik um die Verstaatlichung seiner Schule, die erst 1871 bestätigt wurde. In den 80er Jahren waren die stehenden Unterrichtsräume so eng, dass man mehr Platz für die Schule suchen musste. Das Problem löste ein neues, im Jugendstil gebautes Haus, wo die Schule seit September 1903 beherbergt wurde. Dieses Gebäude ist auch ihr heutiger Sitz. Das neue Jahrhundert und seine Bedürfnisse forderten den technischen und administrativen Typ des Gymnasiums: das Realgymnasium.

Zur Zeit der ersten Republik (1918–1938) bewahrte die Schule den Charakter eines klassischen Gymnasiums mit realen Filialklassen. Die Unterrichtspläne einiger Fächer wie Geschichte, Tschechisch, Erdkunde änderten sich in der Folge der neuen Staatsordnung. Von 1926 an durfte die Schule nach dem Beschluss des Ministeriums den Namen „Das Tschechische J.V.-Jirsik-Staatsgymnasium“ tragen. Der Schülerzuwachs brachte wieder Raumprobleme, aber die neuen Baupläne vereitelten die Okkupation und der zweite Weltkrieg. In den erfolgreichen Jahren 1918–1938 lebte die Schule nicht nur vom Unterricht, sie gründete auch einen Reiseverein, hatte Erfolge bei Kultur- und Sportveranstal­tungen. Ihre Leichtathletik-, Volleyball- und Tischtennisman­nschaften gehörten zu den besten in Südböhmen.

Die deutsche Okkupation und der der zweite Weltkrieg hatten negative Auswirkungen. In den Jahren 1939 und 1940 durfte die Schule sich nur noch Gymnasium Budweis nennen. Die Schülerzahl sank drastisch, der Unterricht wies verminderte Qualität auf und die Unterrichtsstunden wurden bis auf 35 Minuten gekürzt, damit die Schüler am Nachmittag für Haus und Hof arbeiten konnten. Vorrang hatten Deutsch und die Geschichte des Deutschen Reiches. Verpönte Bücher wurden aus der Schulbibliothek entfernt. Die meisten Lehrer unterrichteten aber weiterhin so, dass die Schüler über die künstlichen Grenzen des Protektorats in die freiheitliche Welt mit ihren demokratischen und menschlichen Werten hinausblicken konnten. 1941 wude Karel Šatal, Chemie- und Sportlehrer, als Mitglied der illegalen kommunistischen Partei ins Konzentrationslager verschleppt und bald darauf erschossen.

Die Entwicklung nach 1945 war ziemlich unausgewogen. Die Lücken in den Kenntnissen und der Allgemeinbildung waren tiefer als angenommen. Auch die Zahl der Bewerber um das Studium verminderte sich. Eine nachhaltige Schulentwicklun­gsstrategie ersetzten vielmehr politische und ideologische Gesichtspunkte. Im Schuljahr 1951–52 wurde das Gymnasium wieder seines „Jirsik-Attribut“ beraubt und zudem musste es in ein anderes Gebäude umziehen. Es wurde erstmals ein Studiengang für berufstätige Erwachsene eröffnet (Schule des zweiten Bildungswegs), ein Vorzeichen der sozialistischen Schulentwicklung mit dem Schwerpunkt auf der Bildung der Arbeiterklasse. Im darauffolgenden Jahr wurde in der Tschechoslowakei die Bildungsanstalt Gymnasium in elfjährige Mittelschule umbenannt. Das Gymnasium als solches hörte auf zu existieren. So endete eine lange und wichtige Etappe in der Entwicklung des Jirsik-Gymnasiums, das sich inzwischen einen Namen verschafft und ein hohes Bildunsniveau unter den Schulen in Südböhmen erarbeitet hatte.

1953 wurde das neue Schulgesetz über das einheitliche Schulsystem mit achtjährigen und elfjährigen Mittelschulen erlassen. 1960 führte man die neunjährige Hauptschule und die allgemeinbildende Mittelschule ein, um die Hauptschule von der Mittelschule zu trennen. Beide Schulen betonten den Werkunterricht und die Produktionspraxis. Auf dem Stundenplan erschienen mit viel Stunden ausgestattete polytechnische Fächer und die Produktionspraxis in den Betrieben. Die Schüler sahen sich vom polytechnischen Unterricht sinnlos überfordert und von der Vorbereitung auf die Hochschule abgelenkt. Trotz dieses Missstands war das Studium an diesem Schultyp attraktiv. Das Ende der 60er Jahre brachte ins öffentliche und politische Leben eine spürbare Entspannung, in der sich auch die Schulverhältnisse auflockerten. Stunden wie Elementare Produktionstechno­logie wurden allmählich reduziert und in Laborpraktika in Chemie, Physik usw. umfunktioniert.

Eine neue Schulreform war in Sicht. Gerade aus unserer Schule ging der Vorschlag hervor, im Umbau des Mittelschulwesens auf das altbewährte achtjährige Gymnasium zurückzugreifen. Im Frühjahr 1968 wurden die Vorbereitungen zum 100. Schuljubiläum vorgenommen. Der Stein des Anstoßes war allerdings der Namensgeber der Schule J.V. Jirsik. Trotz ziemlicher Auflockerung der politischen Szene Ende der 60er Jahre durfte eine Schule mit dem Namen des katholischen Geistlichen nicht benannt werden. So wurde der Titel der Festschrift zum 100. Jubiläum ein Kompromiss zwischen seinen Organisatoren und den Parteifunktionären. Das eigentliche Fest feierte man wegen der sowjetischen Okkupation im August 1968 erst im April 1969, aber dafür mit allen Attributen, die zu einer Schule wie dieser gehörten: mit Hommage an den Bischof Jirsik und mit der feierlichen Messe zu Ehren des Gründers. Im Mai 1969 wurde der Schule wieder der Name J.V.-Jirsik-Gymnasium zugesprochen. Folglich eröffnete man experimentale Klassen für talentierte Schüler, die künftig am achtjährigen Gymnasium lernen konnten.

Die 70er Jahre bezeichnet man als Etappe der sog. Normalisierung (d.h. Wiederkehr zur alten kommunistischen Ordnung vor der Sowjet-Okkupation). Ideologische und politische Interessen, formale Aufgabenstellungen lähmten das öffentliche Leben. Trotz der politischen Einmischungen in den Bildungsprozess, trotz des Personalwechsels im Lehrkörper des Gymnasiums behielt die Schule nach wie vor ein hohes Niveau. Das Gymnasium wurde wieder umbenannt, diesmal in das Karel-Šatal-Gymnasium. Die experimentale achtjährige Klasse wurde geschlossen. Die Zahl der humanistischen Klassen reduzierte sich bald auf eins, bis sie Anfang der Achtziger gar aufgehoben wurden. Die gymnasialen Lehrpläne wurden pflichtmäßig um Stunden aus der Produktionspraxis (Chemie, Betriebswirtschaft, Programmierung, Bauwesen und Elektrotechnik) erweitert, was angesichts der Hochschulvorbe­reitung sehr lästig war. In den 70er Jahren wurde das historische Gebäude renoviert.

Den Umbruch im Jahre 1989 begrüßten die Lehrer und Schüler durch aktive Teilnahme an Versammlungen und Aktionen des Streikkomitees. Die Anerkennung der Demokratie ermöglichte auch die Rückkehr zu den Traditionen, die dem Gymnasium zugrunde lagen. Am 3. 10. 1990 erhielt die Schule nach dem feierlichen Festakt den Namen J.V.-Jirsik-Gymnasium. Im Januar 1991 wurde die J.V.-Jirsik-Gesellschaft gegründet, um Kontakte der Absolventen, Professoren und Schulfreunde aufrechtzuerhalten und zu fördern. Im gleichen Jahr eröffnete man die erste Klasse des mehrjährigen Studiengangs (neben der bisherigen Oberstufe), des in der heutigen Form achtjährigen Gymnasiums. Der vierjährige Oberstufenlehrgang überdauert als zweite Studienform (für Hauptschüler nach der 9. Klasse).

Das Jirsik-Gymnasim nahm gleich nach der Wende Kontakte mit ausländischen Gymnasien auf (heute sind das die Gymnasien in Cham, Simbach und Eggenfelden in der BRD, Angers in Frankreich). Die fachspezifische Orientierung geben den allgemein aufgebauten Lehrplänen in allen Klassen erst die Wahlfächer in der Oberstufe, die es den Schülern ermöglichen, sich sowohl naturwissenschaf­tlich als auch humanistisch zu profilieren. Das Gymnasium fördert die musikalische Ausbildung seiner Schüler (Sängerchor Mendik), aber auch andere außerschulische Aktivitäten wie z.B. naturwissenschaf­tliche Wettbewerbe auf Bezirks- und gesamtstaatlicher Ebene, zahlreiche Reiseaktivitäten mit dem Klub der reisenden Schüler.